Anwendung
Netzanschluss für Batteriespeicher
Ein Speicherprojekt scheitert selten an der Batterie, häufiger am Anschlusspunkt, an der Zertifizierungsschwelle oder an einer Annahme über den Vorrang, die das Gesetz nicht deckt.

Anschlusspflicht ohne Vorrang
§ 17 Absatz 1 EnWG nennt Energiespeicheranlagen ausdrücklich unter den Anlagen, die zu angemessenen und diskriminierungsfreien Bedingungen anzuschließen sind. Der Anspruch auf Anschluss besteht also.
§ 17 Absatz 2a stellt zugleich klar, dass der Netzanschlussvorrang nach § 8 Absatz 1 Satz 1 EEG und § 3 Absatz 1 Satz 1 KWKG gegenüber Energiespeicheranlagen nicht anzuwenden ist. Konkurriert ein Speicher mit Erneuerbaren oder Kraft-Wärme-Kopplung um dieselbe Kapazität, reiht er sich dahinter ein. Wer den Terminplan eines Speichers auf einen Vorrang stützt, plant deshalb zu knapp.
Schwellen, die den Aufwand bestimmen
| Schwelle | Rechtsgrundlage | Was sie auslöst |
|---|---|---|
| 135 kW kumulierte installierte Leistung hinter einem Anschlusspunkt | NELEV § 2 Abs. 2a | Die Anlage gilt als Typ B und benötigt ein Anlagenzertifikat. Die Schwelle entscheidet über die Anwendungsregel, unterhalb VDE-AR-N 4105 und ab 135 kW VDE-AR-N 4110. Sie ist keine Grenze zwischen Nieder- und Mittelspannung |
| bis 500 kW kumuliert, wenn die Einspeisung 270 kW nicht überschreitet | EAAV § 2 und § 3 | Vereinfachtes Verfahren statt Anlagenzertifikat, wenn ein übergeordneter Entkupplungsschutz nachgewiesen wird |
| Anschluss in der Mittelspannung | EnWG § 19 Abs. 1 und Abs. 4 | Es gelten die technischen Anschlussregeln, in der Mittelspannung VDE-AR-N 4110, sowie die ergänzenden Technischen Anschlussbedingungen (TAB) des Netzbetreibers |
Geprüft an den amtlichen Fassungen am 9. September 2026. Die Anwendungsregel VDE-AR-N 4110 ist kostenpflichtig und beim VDE VERLAG erhältlich.
Die Scheinleistung bestimmt den Transformator
Kaufmännisch wird ein Speicher in Kilowatt und Kilowattstunden beschrieben, angeschlossen wird er jedoch nach seiner Scheinleistung. Erzeugungseinheiten müssen bei Wirkleistungsabgabe in jedem Betriebspunkt mindestens eine Blindleistung bereitstellen können, die einem Verschiebungsfaktor von cos φ 0,95 untererregt bis cos φ 0,95 übererregt entspricht. Daraus folgt eine Scheinleistung von mindestens der Wirkleistung geteilt durch 0,95, und deutsche Technische Anschlussbedingungen bemessen Anschluss und Transformator entsprechend in Scheinleistung.
Nachgewiesen wird das im Anlagenzertifikat über ein P/Q-Diagramm bei 0,90, 0,925, 1,00, 1,075 und 1,10 Uc. Dieses beidseitige Band gilt für den Erzeugungsbetrieb. Für den reinen Bezug gilt ein einseitiger Bereich von cos φ 0,95 induktiv bis 1, und damit hat ein Speicher zwei Betriebsarten mit unterschiedlichen Anforderungen.
Ein Transformator, der nur nach der Wirkleistung der Batterie ausgelegt ist, verfehlt die Blindleistungsanforderung. Zudem wird er in beiden Energierichtungen betrieben und ist den Oberschwingungen des Umrichters ausgesetzt. Für die Auslegung ist das eine andere Ausgangslage als eine Last mit fester Energierichtung.
Die Netzentgeltbefreiung hat ein Enddatum
§ 118 Absatz 6 EnWG befreit Anlagen zur Speicherung elektrischer Energie für 20 Jahre ab Inbetriebnahme von den Entgelten für den Netzzugang. Voraussetzung ist, dass sie nach dem 31. Dezember 2008 neu errichtet und ab dem 4. August 2011 innerhalb von 18 Jahren in Betrieb genommen werden. Die Frist von 18 Jahren führt auf eine Inbetriebnahme bis zum 3. August 2029.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Befreiung gilt allein für den Bezug der zu speichernden Energie. Zudem hängt sie am Datum der Inbetriebnahme und ist damit eine Terminfrage ebenso wie eine kaufmännische. Den Wortlaut haben wir am 9. September 2026 an der konsolidierten Fassung geprüft, und er war zu diesem Zeitpunkt unverändert.
Was wir für eine belastbare Auslegung brauchen
- Anschlussleistung am Netzverknüpfungspunkt in kVA, also als Scheinleistung
- Ober- und Unterspannung sowie die Vorgaben des Netzbetreibers, sofern ein Netzanschlussbegehren läuft
- Umrichtertopologie und die geforderte Blindleistungsfähigkeit
- Ob die Anlage im vereinfachten Verfahren nach EAAV oder mit Anlagenzertifikat angeschlossen wird
- Aufstellort, Aufstellbedingungen und ob Öl zulässig ist
Quellen
| Vorschrift | Was dort geregelt ist |
|---|---|
| EnWG § 17 Abs. 1 | Anschlusspflicht, Energiespeicheranlagen ausdrücklich genannt |
| EnWG § 17 Abs. 2a | Kein Anschlussvorrang nach EEG und KWKG gegenüber Speichern |
| EnWG § 19 Abs. 1 und Abs. 4 | Technische Anschlussbedingungen und die technischen Mindestanforderungen |
| NELEV § 2 Abs. 2a | Typ B ab 135 kW kumulierter installierter Leistung, Anlagenzertifikat |
| EAAV § 2 und § 3 | Vereinfachtes Verfahren bis 500 kW kumuliert bei höchstens 270 kW Einspeisung |
| EnWG § 118 Abs. 6 | Befreiung von den Netzentgelten für den Bezug der zu speichernden Energie, 20 Jahre ab Inbetriebnahme, Inbetriebnahme bis 3. August 2029 |
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