Mittelspannung
Mittelspannungsschaltanlage
Eine Mittelspannungsschaltanlage schaltet, trennt und schützt den Netzanschluss auf der Mittelspannungsseite. Sie ist metallgekapselt und aus Feldern aufgebaut, deren Anzahl und Ausstattung das Schutzkonzept vorgibt.

Eine Mittelspannungsanlage wird nicht nach der Last spezifiziert, sondern nach dem Netz. Bemessungsspannung, Kurzschlussfestigkeit und Störlichtbogenqualifikation ergeben sich aus den Verhältnissen am Übergabepunkt. Deshalb kann eine Anlage, die an einem Standort passt, zwei Kilometer weiter unbrauchbar sein.
Die Vorgaben des Netzbetreibers sollten daher vorliegen, bevor eine Anlage kalkuliert wird. Fehlen sie noch, legen wir der Anfrage eine ausdrücklich benannte Annahme zugrunde.
Felder und ihre Funktion
| Feld | Funktion |
|---|---|
| Einspeisefeld | Aufnahme des Kabels des Netzbetreibers und Trennstelle |
| Transformatorfeld | Schalten und Schutz eines Transformators |
| Kupplungsfeld | Verbindung zweier Sammelschienenabschnitte, wenn Redundanz gefordert ist |
| Messfeld | Aufnahme der Wandler, wenn auf der Mittelspannungsseite gemessen wird |
Die Anlagen selbst regelt DIN EN 62271-200 (VDE 0671-200), ihre Errichtung DIN EN 61936-1 (VDE 0101-1).
Schaltanlage für 20 kV oder 10 kV
Ob die Anlage für ein 10-kV- oder ein 20-kV-Netz ausgelegt wird, entscheidet der Verteilnetzbetreiber. In Deutschland sind beide Spannungsebenen verbreitet, teils innerhalb desselben Bundeslandes. Deshalb gehört der Blick in seine Technischen Anschlussbedingungen (TAB) vor jede Kalkulation.
Als Bemessungsspannung trägt die Anlage den nächsthöheren genormten Wert über der Netzspannung. Neben ihr bestimmt die Kurzschlussfestigkeit die Auswahl. Sie folgt aus der Netzkurzschlussleistung am Übergabepunkt, und der Netzbetreiber gibt sie an.
Netzspannung und Bemessungsspannung
| Netzspannung | Bemessungsspannung der Anlage | Festgelegt durch |
|---|---|---|
| 10 kV | 12 kV | TAB des Netzbetreibers |
| 20 kV | 24 kV | TAB des Netzbetreibers |
Die Bemessungsspannungen stammen aus der Normreihe der DIN EN 62271-1 (VDE 0671-1). Kurzschlussfestigkeit, Störlichtbogenqualifikation und Schutzkonzept gelten jeweils für den konkreten Übergabepunkt.
Schaltgeräte im Feld
| Schaltgerät | Funktion | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Leistungsschalter mit Schutzrelais | Schalten von Betriebs- und Kurzschlussströmen, selektiver Schutz | Einspeisung, größere Transformatoren, Abgänge mit Schutzkonzept |
| Lasttrennschalter | Schalten von Betriebsströmen und Herstellen einer Trennstelle | Ring- und Kabelfelder |
| Lasttrennschalter mit HH-Sicherung | Schalten von Betriebsströmen, Unterbrechung des Kurzschlusses durch die Sicherung | Transformatorfelder kleinerer Leistung |
Welches Gerät ein Feld erhält, folgt aus dem Schutzkonzept und den Vorgaben des Netzbetreibers. Die Sicherungsauswahl richtet sich nach den Tabellen des Sicherungsherstellers für Transformatorleistung und Spannung.
Ringkabelschaltanlage (RMU)
Die Ringkabelschaltanlage, englisch Ring Main Unit (RMU), ist die kompakte Schaltanlage einer Ortsnetz- oder Kompaktstation. Zwei Kabelfelder verbinden den ankommenden und den abgehenden Ring, ein drittes Feld schützt den Transformator. Häufig ist sie gasisoliert und fest konfiguriert, erweiterbare Ausführungen nehmen später zusätzliche Felder auf.
Isoliergas und F-Gase-Verordnung
| Schaltanlage | Inbetriebnahme mit fluoriertem Gas als Isolier- oder Löschmedium verboten ab |
|---|---|
| Mittelspannung, Primär- und Sekundärverteilung, bis einschließlich 24 kV | 1. Januar 2026 |
| Mittelspannung, Primär- und Sekundärverteilung, über 24 kV bis einschließlich 52 kV | 1. Januar 2030 |
Verordnung (EU) 2024/573, Artikel 13 Absatz 9. Das Verbot knüpft an die Inbetriebnahme an und gilt damit auch für Anlagen, die vor dem Stichtag gefertigt wurden. Die Verordnung sieht Ausnahmen vor, die an das Ergebnis eines Vergabeverfahrens gebunden sind, und ob eine davon für Ihr Projekt greift, ist im Einzelfall zu prüfen.
Störlichtbogenqualifikation
Die Störlichtbogenqualifikation sollte früh feststehen. Sie bestimmt, ob der Raum eine Druckentlastung braucht und wo die Anlage stehen darf. Ist der Raum erst gebaut, lässt sich eine höhere Qualifikation in den meisten Fällen nicht mehr nachrüsten.
Angaben für ein belastbares Angebot
- Netzspannung am Übergabepunkt und, falls schon festgelegt, die Bemessungsspannung der Anlage
- Kurzschlussfestigkeit am Übergabepunkt oder der Netzbetreiber, der sie vorgibt
- Anzahl und Art der Felder: Einspeisung, Transformator, Kupplung, Messung
- Bemessungsstrom der Sammelschiene und der Abgänge
- Isoliermedium, luftisoliert oder gasisoliert, und ob eine SF6-freie Ausführung gefordert ist
- Geforderte Störlichtbogenqualifikation und die Raumverhältnisse am Aufstellort
- Schutzkonzept und Sekundärtechnik nach den Vorgaben des Netzbetreibers
- Gewünschter Inbetriebnahmetermin
Spezifikationsvorlage
Am Bildschirm oder von Hand ausfüllen und mit der Anfrage hochladen.
Häufige Fragen
Welche Bemessungsspannung hat eine 20-kV-Schaltanlage?
Sie hat 24 kV, den nächsthöheren genormten Wert über der Netzspannung. Eine Anlage für ein 10-kV-Netz hat entsprechend 12 kV.
Darf eine neue Schaltanlage mit SF6 noch in Betrieb gehen?
Bis 24 kV ist die Inbetriebnahme neuer Mittelspannungsschaltanlagen mit fluoriertem Gas seit dem 1. Januar 2026 verboten, über 24 kV bis 52 kV ab dem 1. Januar 2030, jeweils mit den Ausnahmen der Verordnung (EU) 2024/573.